die nacht ist kein ort mehr
sie ist splitter
sie ist schreien ohne echo
sie ist mutter, die nichts mehr hält
außer luft
und gebrochenem atmen
in gaza
hat der boden verlernt zu tragen
und der himmel verlernt zu schweigen
er fällt
in fragmenten
auf schultern,
die zu klein sind für schuld
und zu jung für tod
ich sehe
was ich schon kannte
bevor ich geboren wurde
in bildern,
die mein Urgroßvater
nie aussprach –
nur in den zuckungen seines schlafs
habe ich gelernt
was bomben bedeuten
die sprache des leidens
ist immer dieselbe:
staub
staunen
stille
schreie
die nicht ankommen
100 jahre
und das feuer
trägt denselben geruch
nach metall
nach muttermilch
die versiegte
weil auch wasser
politik wurde
ich kenne das
nicht weil ich dort war
sondern weil ich von dort bin
nur ein anderes dort
ein anderes jetzt
und doch:
das gleiche blut
der gleiche grund
die gleiche gleichgültigkeit
von denen,
die zählen
statt zu sehen
und irgendwo
zwischen trümmer und trommelfell
singt eine stimme
leise
so leise
dass nur die, die verloren haben,
sie hören können:
wir sind noch da.
wir waren immer da.
und selbst wenn ihr uns begrabt
wird die erde euch erinnern.